Der Einbruch


Personen: Bea, Ende 50, gepflegt, unauffällig gekleidet
Robert, ihr Ehemann, etwas älter
Beas Mutter, ca. 80
Edgar, ihr Bruder, 50

Szene 1
Wohnung der Mutter: gut aufgeräumt, sehr persönlich eingerichtet, wirkt nun etwas unbewohnt.
Die Türe geht von aussen auf. Bea, die Tochter, hat mit ihrem Schlüssel aufgeschlossen.

Bea fragend: Mama? (steht unentschlossen da, plärrt halblaut und grimassierend): Ma - ma! (Steht da wie ein Kind, etwas verloren - stellt schliesslich Tasche hin und zieht Jacke aus, fasst und lockert sich und geht die Treppe hinauf, nun trällernd und kokett das Becken schwingend, verschwindet hinter einer Türe, man hört Stimmen. Bea kommt wieder herunter, hastig, ist kurz unentschlossen, dann nimmt sie ein Staubtuch aus der Schublade).

Bea: Oh Gott dieser Staub…dir zeig ich es, dir geht’s an den Kragen, dich rotte ich aus...(staubt mit energischen Bewegungen ab) da ist schon lange nichts mehr passiert…höchste Zeit, dass jemand sich kümmert…den Staub der Zeit…in neuem Glanz und Frische…(hält plötzlich inne) Dass geputzt wird, ist ihr gar nicht wichtig…sie will nur, dass ich alle 2 Tage in die Wohnung komme, 2 Stunden lang. Und ich komme, ich bin ihre Marionette, und ich putze. Aber ja nicht zu nahe bei ihr, nicht zu lange in ihrem Zimmer…sie fühlt sich sonst eingeengt…sie kommt nämlich immer zuerst, ich bin die zweite… .(Ergreift in Gedanken versunken einen Gegenstand und staubt ihn ab, erschaudert plötzlich): I gitt das alte Zeug, der Plunder...ich mag die Sachen, ihre Sachen gar nicht anfassen. (Sie schaut sich um und erblickt sich im Spiegel, steht auf und stellt sich davor). Das bin ich, 58 Jahre alt. Magd der Mutter, unbeachtete Ehefrau, Anhängsel, Blei am Bein.....unerwünschte Mutter…unterbeschäftigt, antriebslos…ob hier die Zeit verstreicht oder zuhause? Schlecht fühle ich mich da wie dort…nur noch Zuschauerin…süchtig - fernsehsüchtig sei ich.…modern…ein Kind unserer Zeit…aber schon recht alt..(schaut ihr Gesicht prüfend an). Lange fühlte ich mich älter als die da oben. Kein Wunder, ich war schon als Kind alt…jetzt ändert es…ich habe noch 20, 30 Jahre Lebenserwartung. (Hämisch) SIE hat nicht mehr viel… .(Betrachtet wieder ihr Gesicht) Den Kampf gegen die Falten…viel investiert, brav gepflegt…Anti-Age, Restoring cream, Revitalizer….(Entsetzt) Das kann’s doch nicht gewesen sein!
(Prüfend) Woo bleibt die Ausstrahlung...die gleichaltrigen, die sie auf der Mattscheibe zeigen, wirken besser, sie ziehen alle Augen auf sich….Hektisch) Nun mach schon…wo bleibst du…ich komm ja schon…da bin ich ja…wo gehts denn hin?…Wohin mit mir? (Bea spuckt plötzlich mit voller Kraft auf den Spiegel und reibt wie verrückt, spuckt nochmals und putzt weiter)

Mutter steht oben auf der Galerie: Achtung der Spiegel ist recht kostbar. Warst du schon einkaufen?

Bea hört auf mit Putzen und erwidert eifrig: Nein, ich habe noch nicht nachgesehen, was fehlt. Was brauchst du? Neulich, als ich die Küche gründlich drannahm, fand ich einige Sachen, deren Haltbarkeitsdauer abgelaufen war. Ich kann nicht verantworten, dass du solche Lebensmittel isst mit deiner angeschlagenen Gesundheit. Wir müssen zusammen heraussuchen, was für dich gut wäre...gesunde Kost, genügend Vitamine.....salzlos, wenig Fett.

Mutter abwehrend: Ich brauche nichts, die Tabletten nehmen mir allen Appetit.

Bea: Der Arzt sagt, jede einzelne ist sehr wichtig. Dein Zustand erlaubt dier keine......

Mutter unterbricht ungeduldig: Ich nehme sie. Heute auf jeden Fall habe ich die erste Ration geschluckt.

Bea wichtig: Ich bin gut instruiert, der Arzt und ich hatten ein langes Gespräch...auf mich kannst du dich verlassen.

Mutter ungläubig: Wann war das? Das Gespräch meine ich.

Bea: Neulich, du hast noch nichts getrunken. Ich mache gleich Kaffee, den trinken wir ganz gemütlich zusammen. Zuerst will ich noch staubsaugen.

Mutter abwehrend: Nein, ich mag keinen Lärm. Immer willst du Staub saugen. Die Katze verzieht sich auch, sobald du kommst....so lästig dieses Brummen…und du vertreibst mir die Katze.

Bea beruhigend: Gut, ich mache jetzt Kaffee. Bin gleich zurück…dann werden wir sehen.

Mutter kommt mühsam die Treppe hinunter, schnauft): Das Kätzchen, mein kleines…wo ist es….Dass ich auf sie angewiesen bin. Sie kommt brav alle 2 Tage, wirbelt Staub auf…und saugt ihn auf. Sie ist mir ein Rätsel….Aber ich brauche sie, ich will mich nicht mehr mit Fremden herumschlagen…ganz ohne Hilfe geht es nicht mehr…leider…ich war unabhängig…lange…für das habe ich schliesslich Familie, das sie mir nun beisteht, jetzt wo ich gebrechlich werden.

Bea bringt Kaffee, Tassen usw.: Da bin ich wieder. War da ein Telefon? Ich hörte deine Stimme.

Mutter: Nein, Selbstgespräche...danke (setzt sich).

Beide schweigen.

Bea: Wie geht es dir heute? Hast du gut geschlafen?

Mutter: Wie immer.

Bea: Wird schon wieder besser. Du musst Geduld haben. Ich kann noch waschen nachher...Frotteewäsche, Küchentücher, Kleider..

Mutter: ist nicht nötig, es ist nichts dreckig.

Bea: Du musst auf dich achten. Sauberkeit und Pflege sind ganz wichtig. Du darfst dich jetzt nicht gehen lassen, du musst dir helfen lassen.....auch von Fachleuten.

Mutter: Wie du mit mir sprichst. Wo bist du eigentlich?

Bea: Vielleicht im falschen Film.

Schweigen. Bea schaut ihre Mutter lauernd an, diese ist weit weg in Gedanken. Bea macht Grimassen.

Mutter schaut Bea voll an: Ich glaube dir geht es schlecht. Ist etwas mit Robert und dir?

Bea verlegen und gerührt: Ich...nein....äh

Mutter: Ich mag Robert, ein guter Mann.

Bea bitter: Der ideale Schwiegersohn, ich weiss schon...(bestimmt) ich will jetzt staubsaugen. Es muss sein. (Sie steht auf und geht hinaus).

Mutter: Bea!

Bea ruft aus dem Nebenraum: Bin gleich da, ich komme....Da bin ich ja schon. Was gibt es denn?

Mutter ruhig: Setze dich bitte. Ich dusche genügend oft. Es ist umständlich, aber ich schaffe es noch. Übermorgen gebe ich dir die schmutzige Wäsche.

Bea zuerst besorgt dann aufgeregt: Wie wird es später sein, wenn es dir schlechter geht? Wir sollten Schritte unternehmen. Mein Herr Bruder könnte sich auch beteiligen. Er ist schliesslich den Sohn. Aber mein Bruder drückt sich gerne. Er könnte auch seinen Teil übernehmen.
(Nach einer Pause etwas nörgelnd): Weisst du, ich möchte wieder auswärts arbeiten...oder wieder einmal einen Kurs machen. Es ist für mich ungünstig, so regelmässig zu dir kommen zu müssen. Längerfristig müssen wir das ganz anders organisieren. Edgar soll vorbeikommen, nächste Woche schon.

Mutter: Edgar ist wie dein Vater. Wenn es schwierig wird, verzieht er sich. Hast du von Sibylle gehört?

Bea: Ich werde Edgar telefonieren. Er muss jetzt einfach mitmachen.
Sibylle kann einige Tage freinehmen und einmal allein herumreisen. Sie ist gerade in Kapstadt. Anfangs Monat kommt dann wieder eine neue Reisegruppe, die sie herumführen muss.

Mutter: Ja, sie reist durchs Land, ein interessantes Land. Letzthin erzählte sie mir, dass...

Bea unterbricht erstaunt: Ah ihr habt zusammengesprochen? Sie erzählt dir wahrscheinlich mehr als mir.

Mutter: Sie lebt ein gutes Leben, meine Enkelin. Ich bin stolz auf sie. Sie nutzt ihre Möglichkeiten.

Bea steht auf: Es wird Zeit für mich. Ich muss jetzt gehen.

Szene 2
In der Wohnung von Bea und Robert: modern eingerichtet, gepflegt, eher kühl in der Wirkung. Bea räumt mit fahrigen Bewegungen auf, vermeidet den Blick in den Spiegel offensichtlich.....hält inne, setzt sich und starrt vor sich hin. Robert tritt auf.

Robert gutgelaunt: Gibt es schon Kaffee? Nein, ich mache. Nachher gehe ich auf den Golfplatz. Komme doch mit.

Bea leise: Nein, ich fühle mich nicht wohl.

Robert: Das Draussensein täte dir gut. Mir hilfts. Jahrzehnte lang war ich fast immer in Räumen. Das ich das so lange ausgehalten habe. Ich wusste gar nicht, dass mir das so gut gefällt.......frische Luft, Bewegung.

Bea bitter: Ja, du merktest nie viel...nur die Arbeit war wichtig...die Familie hat dir wenig bedeutet. Du warst nie da...wie mein Vater.

Robert: Jetzt bin ich da. Das Arbeitsleben ist vorbei. Die Freiheit, die ich als Pensionierter habe, die nutze ich jetzt. Du sitzt herum. Willst du wieder den ganzen Tag vor der Kiste hocken? Mach doch war! Irgendwas.....besuche halt wieder Kurse.

Bea schweigt lange, rafft sich auf und tut geschäftig: Ich mache dir Kaffee. Was willst du dazu? Hast du alles, was du brauchst? Was willst du zum Abendessen?

Robert kopfschüttelnd, besorgt: Bea, höre auf. Du gibst dich auf. Wenn du doch etwas finden würdest, dass dich wirklich interessiert, dich packt. Ich meine nicht, dass Golfspielen die Lösung wäre. Es gibt anderes, einfach etwas, dass dir Freude machen würde….(Betrübt) Du warst früher anders!

Bea: Ja früher hatte ich einmal Pläne.....Ich wollte von zuhause fort. Da wurde mein Vater für einmal aktiv. Er appellierte an mein Verantwortungsgefühl...die Mutter sei in einer schwierigen Phase.

Robert: Das ist lange her. Als ich dich kennenlernte, warst du lebendig....lasse doch deine Eltern. Wärme nicht alte Geschichten auf.

Bea barsch: Lass mich.

Robert: Du bist entweder wie aufgezogen und überaktiv oder du erstarrst und konsumierst nur noch. Also ich sorge für Kaffee und nachher gehe ich.

Bea: Ja, ja verblühen die Frauen, verduften die Männer.

Robert empört: So ein Blödsinn. (Das Telefon schellt) Ich nehme ab. (Er geht aus dem Zimmer).

Bea putzt Glastisch: Alle gehen weg...obwohl ich mir lange Mühe gab, es allen recht zu machen...den anspruchsvollen Eltern......dem anspruchsvollen Ehemann, der anspruchsvollen Tochter.
Wie schafft frau das?…Sei dich selber, habe dich selber gern..sei spontan...glaube an dich...mach es richtig…kapiers endlich, ist doch einfach! Kapiers doch endlich. (Nun wütend) Es reicht mir, lasst mich in Ruhe. Ich mach, was ich will...das ist mein Leben.…es geht mir nicht gut...es ist meine Wahl, ich kann nicht anders…(Sich selber besänftigend) Es wird schon wieder. Vielen geht es schlechter…halte durch! (Laut und energisch) Oder gib auf!

Robert kommt aufgeräumt zurück mit dem Kaffeegeschirr: Das war Benedikt, wir haben abgemacht für morgen.

Bea bedeutungsvoll: So…der hat doch eine kranke Frau zuhause.

Robert: Was meinst du damit?

Bea: Nichts...beide seid ihr in der gleichen Lage. Da könnt ihr euch trösten, ablenken. Das Leben geniessen.

Robert ungehalten: Du seist nicht krank, sagst du immer. Was du da erzählst.....wie aus einem drittklassigen Fernsehfilm-Drehbuch. Du hast aufgehört selber zu denken.

Bea schnippisch: Man kann nicht über seinen Schatten springen…Es ist aller Tage Abend.

Robert leichthin: Abendstund hat Gold im Mund. Du sollst den Abend und den Morgen loben....

Bea: Des einen Leid ist des anderen Freud. Vom Regen in die Traufe. Trotz Fleiss kein Preis.

Robert schalkhaft: Bea klein ist ganz allein. Robi klein ist auch allein. Die armen kleinen, was die alls meinen. Was die alls klagen in alten Tagen. (Grinst)

Bea: Im Unglück vereint…im Glück getrennt. Der eine hastet...der andere pennt (kichert).
Beide lachen.

Robert: Komm wir machen einen Spaziergang. Kommst du?

Das Telefon schellt. Robert geht abnehmen. Man hört ihn sprechen.

Robert: Ja, ah Edgar, guten Tag. Wir hören selten von dir. Ich gebe dir Bea. Komme doch mal vorbei - Auf Wiedersehen.

Bea: Edgar, hallo. Ist etwas passiert? - Ja, was ist denn los? (Aufgeregt) etwas mit Mutter?…Ich war gestern bei ihr, wieso hat sie nicht mir telefoniert?…Was ist denn passiert?…Es wurde eingebrochen? Wann?…Doch wir kommen sofort auch zu ihr (legt auf).
(Zu Robert): Robert, wir müssen sofort zur Mutter fahren.

Szene 3
Wohnung der Mutter: Edgar ist bereits bei ihr, als Bea und Robert eintreffen. Im Zimmer ist Unordnung; Möbel sind z.T. auf die Seite gerückt....Sachen liegen verstreut, im Cheminée brennt Feuer.

Allgemeine Begrüssung. Die Mutter sitzt unglücklich auf dem Sofa. Edgar ist nervör, immer in Bewegung. Er kümmert sich um das Cheminée-Feuer.

Robert: War die Polizei schon da?

Edgar: Sie will nicht, unter keinen Umständen soll sie informiert werden, sagt Mutter.

Bea: Was ist hier los? Dieses Chaos! Ein Kommissar muss her...ein Protokoll muss gemacht werden....Was fehlt denn eigentlich?

Edgar: Mutter ist zu erschüttert. Sie kann nicht berichten. Sie hatte kalt. Deshalb habe ich ein Feuer
angezündet, ein kleines, es hatte nur noch wenig Holz.

Bea eifrig: Aber die Polizei muss doch Spuren aufnehmen. Es darf nichts berührt werden. Setz dich doch Edgar, du verwischt die Spuren.

Edgar genervt: Warst du mal bei der Polizei, Assistentin? Oder hast du einfach zu vielen Fernseh-Kommissaren bei der Arbeit zugeschaut?
(Zu Robert): Klar müssen wir die Polizei benachrichtigen. Aber Mutter muss sich zuerst etwas fassen.

Bea hat den Trésor entdeckt, der hinter weggerückten Möbeln offen da steht.
Erstaunt: Was ist das für ein Trésor? Ich habe nicht gewusst, dass da ein Trésor versteckt ist. Was war da drin? Schmuck, Geld?

Edgar: Ich weiss es nicht. Es lagen Briefe da verstreut am Boden. Mutter hat sie eingesammelt vorhin. Sie sind ihr offensichtlich sehr wichtig. Jetzt ist sie wieder ganz entkräftet.
Mutter sind die Briefe geheim? (Diese nickt). Kannst du sagen, was fehlt? Oder du Bea, du kennst ja die Wohnung auch gut. Vermisst du etwas, wurde etwas gestohlen?

Bea: Ja selbstverständlich halte mich mehr hier auf als du. Aber, ob etwas fehlt. Ich weiss nicht. Ihren Schmuck hat ja Mutter im Safe auf der Bank, Bargeld hat sie kaum im Haus. Hier gibts gar nichts zum Stehlen.

Robert: Fachleute sollen doch das in die Hand nehmen. Wir sind doch alle überfordert. Aber wir sollten nichts berühren.

Edgar: Die Briefe hat Mutter schon an sich genommen. Umschläge mit exotischen Briefmarken.....Diese Briefe machen mich neugierig. Willst du uns nicht einweihen Mutter?

Bea: Darf ich auch mal schauen Mutter? (Diese zögert, will eigentlich nicht, aber realisiert, dass sie nicht weiter beharren kann).
(Bea nimmt Stoss und geht ihn durch.):....dieser wurde 1964 abgeschickt, der da 79, 56, 87, 40…alle ohne Absender, aber alle sind in Südafrika abgestempelt, Handschrift ist gleich…alle an eine Postfach-Adresse gesendet…auf deinen Namen! Unglaublich!....(Fasst sich ein wenig) Mutter, was ist das für eine Geschichte? Das passt mir nicht...da werde ich misstrauisch.

Robert geht zu Bea: Bea, du greifst vor..

Bea zu Edgar: Was sagst du dazu? Was verheimlicht sie uns…ein dicker Hund.

Edgar: Hm…ja, spannend (kehrt sich zur Mutter) Mutter, du überraschst mich einmal mehr. Bei dir muss man auf alles gefasst sein.

Bea finster: Mir gibt das ein komisches Gefühl…so Geheimnisse vor uns Kindern. Vielleicht werden wir irgendwann in etwas hineingezogen….Wir haben nichts gewusst davon. Es wurde uns ja alles verheimlicht….Und dann ein böses Erwache….Und wir müssen etwas ausbaden.

Edgar munter: Wieso böses Erwachen….Bea vielleicht fliesst plötzlich Geld…oder eine Einladung kommt oder ein Geschenk….Wir sind ja ihre Erben. Wer weiss, plötzlich ergibt sich etwas, das unser Leben verändert….Wir werden bedeutend, berühmt….Ich brauche nicht mehr zu arbeiten. Ich sag dir hinter diesen Briefen ist eine tolle Story…die könnte ich ausschlachten…ein Fressen für die Medien; Interviews, Talkshows….

Bea: Höre auf, so naiv, richtig kindisch.

Edgar etwas verächtlich: Gerade dir täte doch eine Veränderung gut…und du kämst vielleicht am Fernsehen!

Robert: Wie geht es dir Mutter? Brauchst du etwas? Möchtest du etwas sagen?

Mutter möchte die Briefe wieder haben, hat nicht die Kraft, sie zu fordern von ihren Kindern) Sie fasst sich und spricht ernst und gemessen, sucht nacht Worten: Hinter den Briefen ist eine Geschichte. Es ist meine Geschichte. Ich wollte, dass ihr diese Briefe nie zu Gesicht bekommt….Wegen der Krankheit bin ich nicht dazugekommen, sie verschwinden zu lassen.
Ich war immer allein mit dieser Geschichte. Euer Vater hätte mich nicht geheiratet, hätte er sie gekannt. Obwohl ich nichts Unrechtes getan habe. Als ich jung war, ist mir einfach viel Aussergewöhnliches passiert. Das zu verstehen, hätte sein Fassungsvermögen überstiegen. - (Beschwörend) Diese Briefe haben mit euch nichts zu tun, ihr habt nichts zu befürchten. Etwas Schweres hat sich auch in Gutes gekehrt. Vor einigen Jahren habe ich es abgeschlossen. Alles was sich regeln liess, ist getan worden. Ich bin die einzige lebende Person, die die Geschichte gut kennt. Wenn ich sterbe, geht ein Buch zu Ende….(Sehr müde geworden) Mein Wunsch ist, dass die Briefe verbrannt werden, gerade jetzt. Dann könnt ihr die Polizei benachrichtigen.

Bea: Verbrennen…mich trifft der Schlag. Ohne dass wir etwas über ihren Inhalt wissen? Das dürfen wir nicht. Ich bin nicht einverstanden.

Mutter: Vertraut mir - etwas hat ein natürliches Ende genommen. Bitte respektiert meinen Wunsch. Edgar, ich bitte dich, tu es für mich, ich habe die Kraft nicht mehr dazu.

Bea: Ich will sie zuerst lesen…das will ich mir nicht entgehen lassen....ich will es wissen.

Robert ungehalten: Bea, die Briefe haben mit ihrem Leben zu tun….Deine Gier…du lebst aus zweiter Hand….Lebe doch dein eigenes Leben..

Edgar: Ich verbrenne sie!

Bea ringt die Hände, warnend: Die Polizei wird die Asche sehen...sie wird Fragen stellen. Das kommt nicht gut. (Schwach) Ich bin nicht einverstanden.

Edgar verbrennt die Briefe mit dem Feuerzeug im Cheminée.

Das Telefon schellt.

Robert nimmt ab, überrascht: Sibylle? Ja, ich bin’s Vater. Wir sind alle bei der Grossmutter. Den Umständen entsprechend geht es ihr recht gut - Ich erzähle dir später alles. Wie geht es dir? Du tönst so glücklich - Aha, du hast dich verliebt. Das freut mich - Bringe den Mann bald zu uns - Alle schauen mich ganz neugierig an - Ich gebe dir Grossmutter. Telefoniere doch, wenn möglich, am Abend nochmals. Ciao, ciao Liebes. (Bringt den Hörer der Grossmutter)

Mutter: Sibylle! Das freut mich - wo bist du? (hört interessiert zu, entspannt sich) Du hast einen Mann kennengelernt und dich verliebt - Wo hast du ihn getroffen? Wie heisst er? (Sie beginnt zu strahlen) Sibylle, das ist wunderschön - Danke, dass du mir das erzählt hast. Alles Gute und hoffentlich sehen wir uns bald. Adieu Sibylle. (Sie gibt Robert den Hörer zurück und lächelt versonnen).

Bea hat sprachlos zugehört und zugeschaut. Edgar spielt mit der Safe-Türe.

Bea sackt zusammen und bleibt eine Weile regungslos sitzen. Dann richtet sie sich mit einem Ruck auf und erhebt sich. Sie geht mit festen Schritten zum Cheminée und greift mit beiden Händen in die Asche und verreibt sie zwischen den Händen. Sie steht still da und schaut auf ihre verfärbten Hände. Dann wendet sie sich zu den andern, die ihr erstaunt zugeschaut haben und sagt mit klarer Stimme ganz entschlossen: So, ich gehe nun. Sie verlässt langsam den Raum. Die anderen blicken ihr verwundert nach.

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